Fokus: Verschwörung – Verschwörungstheorien in Politik und Gesellschaft

Die Konferenzreihe „Fokus“ wurde vor dreieinhalb Jahren durch die Regierung auf den Weg gebracht, um übergeordnete, nationale, europäische und globale Themen in einem öffentlichen Rahmen öffentlich zu besprechen und deren Ausprägungen und Einflüsse auf unsere Region zu untersuchen. In den vergangenen Tagen fand in diesem Rahmen die 8. Auflage mit dem Thema “Verschwörungstheorien in Politik und Gesellschaft” im Europasaal des Ministeriums statt.

An dieser Diskussionsrunde nahmen aus TV und Literatur bekannte, renommierte Referenten teil. Darunter Prof. Dr. Michael Butter, Vize-Vorsitzender der EU COST Action “Comparative Analysis of Conspiracy Theories” und Professor für Amerikanistik an der Universität Tübingen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Verschwörungstheorien, amerikanische Literatur, Kultur der Kolonialzeit und der frühen Republik, Popkultur, Film und Fernsehen, amerikanische Kultur nach 9/11 sowie Gegenwartsliteratur. Desweiteren Dr. Sebastian Bartoschek, Diplom-Psychologe und Journalist, der seine Doktorarbeit zum Thema „Bekanntheit von und Zustimmung zu Verschwörungstheorien“ schrieb. Bartoschek hält regelmäßig Vorträge zum Thema „Faszination Verschwörungstheorien“ und ist ein gern geladener Gast in Sendungen wie Stern TV oder Quarks. Und zu guter Letzt: Jan Rathje, Politikwissenschaftler, der seit 2015 das Projekt „No World Order. Handeln gegen Verschwörungsideologien“ der Amadeu Antonio Stiftung zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Verschwörungsideologien koordiniert. Seine Schwerpunkte sind der Rechtsextremismus und die Politische Theorie.

Eine Ursache für Verschwörungstheorien ist die Sehnsucht des Menschen, Muster und Zusammenhänge zu erkennen. Wichtig dabei ist es keine kausalen Zusammenhänge da zu suchen, wo es keine gibt. „Skepsis ist immer wichtig“, sagt Professor Butter im BRF-Interview, „aber nicht nur gegenüber der Erklärung, gegen die man sich richtet, sondern auch Skepsis gegenüber allzu einfachen Erklärungen, die dann zu Alternativerklärungen werden können”, so Butter weiter.

Chemtrails, Reichsbürger, Impfen als Gefahr – die Liste der Verschwörungstheorien ist lang und verbreitet sich rasend schnell. Wie erkennt man die Theorien? Was macht ihre Faszination aus? Was kann man dagegen tun? Verschwörungstheorien spielen eine zunehmend große Rolle im politischen und alltäglichen Leben in Europa. Auch Ostbelgien ist hier keine Insel. Ein informationsreicher Abend, der bei weitem nicht alle Fragen zu beantworten wusste, aber mit Sicherheit einen aufschlussreichen Rahmen für diese komplexe Thematik bot. Alle Referenten standen nach einer öffentlichen Fragerunde zum Schluss der Veranstaltung auch für persönliche Gespräche zur Verfügung.

 

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