Medizin/Zahnmedizin: Deutschsprachige Studenten bei Aufnahmeprüfung benachteiligt

Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft brachte gegenüber der Französischen Gemeinschaft / Föderation Wallonie-Brüssel (FG) ihren Unmut zum Ausdruck über die Benachteiligung deutschsprachiger Studenten bei den Aufnahmeprüfungen für ein Studium der Medizin bzw. Zahnmedizin. In einem Schreiben an FG-Ministerpräsident Rudy Demotte konstatierte der Eupener Regierungschef Oliver Paasch, dass die spezifische Situation deutschsprachiger Kandidaten dabei am vergangenen 8. September nicht respektiert wurde.

Nach Angaben der mit der Durchführung beauftragten Académie de Recherche et d’Enseigenement Supérieur (ARES) hatten sich insgesamt 3.473 Studienanwärter der Prüfung gestellt, deren Anforderungen jedoch lediglich 696 Kandidaten (20,04%) gerecht wurden. Neben dem ohnehin hohen Schwierigkeitsgrad dieser in der FG erstmals abgehaltenen Aufnahmeprüfung kam für die ostbelgischen Studenten erschwerend hinzu, dass ihrer besonderen sprachlichen Situation nicht Rechnung getragen wurde. Und dies, obwohl entsprechende Maßnahmen zwischen beiden Regierungen abgesprochen und u.a. durch den zuständigen Minister Jean-Claude Marcourt im Parlament der FG bereits konkret angekündigt worden waren.

Zu erfahren, dass die ARES diese Grundsatzvereinbarung zwischen zuständigen Ministern der Französischen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft unberücksichtigt ließ,  erstaune ihn sehr, so Oliver Paasch, zumal es bei den Verhandlungen nicht über die Möglichkeit, sondern bereits um die Modalitäten der Hilfestellungen für die Studenten ging.

Die Regierung hob in ihrem Schreiben noch einmal hervor, dass Deutsch zu den offiziellen Landessprachen gehöre und deutschsprachige Studenten gegenüber ihren frankophonen Mitbürgern ein Recht auf Chancengleichheit hätten. Dies mit einem Verweis darauf, dass sich den deutschsprachigen Belgiern in ihrem Land keine Möglichkeit biete, in den Bereichen Medizin/Zahnmedizin ein Studium in ihrer Muttersprache zu absolvieren. Hierfür müssten sie sich gegebenenfalls ins deutsche Nachbarland begeben, wo sie bei der Einstufung ihrer schulischen Leistungen die nächste Benachteiligung erwarte: Der Numerus clausus.

„Unsere Gemeinschaft ist mit einem Mangel an deutschsprachigen Allgemeinmedizinern und Spezialisten konfrontiert, der sich ohne eine nachhaltige Lösung weiter verschlimmern wird und Kommunikationsprobleme hervorruft zwischen unseren Medizinern und der deutschsprachigen Bevölkerung“, so die Minister, die ihre Amtskollegen zu einem klärenden Gespräch einluden, „um dieser für die deutschsprachige Bevölkerung inakzeptablen Entwicklung gemeinsam durch geeignete Maßnahmen entgegenzuwirken“.

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